Memorandum "Arbeit und Technik 4.0 in der professionellen Pflege"

Vorbemerkung

Dieses Memorandum ist entstanden aus der Zusammenarbeit von fünf Forschungsverbünden im Förderschwerpunkt „Präventive Maßnahmen für die sichere und gesunde Arbeit von morgen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Diese Zusammenarbeit im Rahmen der Fokusgruppe „Neue Ansätze des Arbeits- und Gesundheitsschutzes im Pflege- und Dienstleistungssektor“ bildete die Basis für Diskussionen um die künftige Gestaltung von „Arbeit und Technik 4.0“ in der Pflege. Das Ergebnis dieser Diskussionen findet sich in dem hier vorliegenden Memorandum.

Die Autorinnen und Autoren sind erfahrene Wissenschafts- und Praxisakteurinnen und -akteure; sie verantworten den Text als Personen, nicht als Repräsentantinnen und Repräsentanten ihrer Forschungsverbünde oder der sie beschäftigenden Institutionen.

Dieses Memorandum soll breit veröffentlicht werden. Auf dieser Internetseite www.memorandum-pflegearbeit-und-technik.de gibt es für alle, die die inhaltlichen Aussagen dieses Memorandums unterstützen, die Möglichkeit, sich in eine entsprechende Unterstützungsliste einzutragen.

Die Unterstützungserklärung finden Sie hier: Unterstützungserklärung Memorandum Pflege-Technik-4.0. Die unterschriebene Unterstützungserklärung senden Sie bitte an die im Kontakt angegebene Adresse.

Wenn Sie uns diese Unterstützungserklärung unterschrieben zukommen lassen, werden wir Ihren Name zusammen mit anderen Unterstützer_innen in Kürze auf dieser Website veröffentlichen.

Memorandum "Arbeit und Technik 4.0 in der professionellen Pflege" - Kernaussagen

Das hier vorliegende Memorandum „Arbeit und Technik 4.0 in der professionellen Pflege“ stellt die gemeinsame Positionierung der Unterzeichnenden zur nachhaltigen und zukunftsfähigen Gestaltung und Implementierung von technischen Innovationen im Arbeitsbereich von Pflegekräften dar.

Ausgangspunkt dieser Positionierung ist ein Verständnis von Pflege als Interaktionsarbeit an und mit Menschen, die einer besonderen Gestaltung und Wertschätzung bedarf.

Die Unterzeichnenden sind sich einig, dass Pflegekräfte stärker als bisher von Technik profitieren sollten.

Hierfür sind sie in die Gestaltung von Technik einzubeziehen, die sie und ihre konkrete praktische Arbeit betrifft.

Nur hierdurch kann sichergestellt werden, dass die Beschäftigten in Bezug auf professionelle Pflegearbeit von einem zunehmenden Technikeinsatz profitieren können. Denn bislang zeigt sich empirisch eine unzureichende Einbindung professioneller Pflege in Prozesse der Technikentwicklung und Technikeinführung. Das Innovationspotenzial neuer Technologien in der Pflegearbeit wird auf diese Weise nicht zukunftsweisend genutzt.

Für eine gute Gestaltung von Arbeit 4.0 in der Pflege bedarf es einer konsequenten, interdisziplinären und zielgerichteten Entwicklung, Einführung und Folgenabschätzung sozio-technischer Innovationen gemeinsam mit der professionellen Pflege. Technikeinsatz in der Pflegearbeit muss im Sinne der Gesundheit und der „guten Arbeit“ der Pflegenden sowie im Sinne der Lebensqualität der Pflegeempfänger/-innen präventiv und kontinuierlich unterstützend wirksam werden.

Die Unterzeichnenden dieses Memorandums regen an:

  • - die besondere Bedeutung von Pflegearbeit als Interaktionsarbeit anzuerkennen, wertzuschätzen (auch ökonomisch!) und bei jedem Veränderungsprozess zu beachten,

  • - vorhandene pflegeunterstützende bzw. pflegerelevante Technik zu sichten, einer kritischen Prüfung zu unterziehen und zur Förderung von Arbeitszufriedenheit und Gesundheit anzupassen bzw. einzuführen

  • - Entwicklungs- und Einführungsprozesse für Technikunterstützung in der professionellen Pflege als sozio-technische Innovationsprozesse zu betreiben,

  • - nicht nur technische Funktionalität zu entwickeln, sondern die Einbindung neuer Technologien in pflegerische Arbeits- und Organisationsprozesse samt deren Spezifika rechtzeitig und ausreichend zu berücksichtigen

  • - die relevanten Akteurinnen und Akteure der Pflege explizit an diesen Prozessen zu beteiligen und ausreichende Ressourcen zur Mitwirkung und Qualifizierung einzuplanen,

  • - die Bewährung in der Praxis als wichtiges Erfolgskriterium für neue Technologien in der Pflege zu definieren

  • - geeignete Maßnahmen zu entwickeln, um bestehende Belastungen und künftige Risiken zu reduzieren, denen Pflegekräfte durch die (digital-)technikgetriebene Formalisierung von Arbeitsprozessen ausgesetzt sind,

  • - die Förderung der Gesundheit und die Arbeits- und Lebensqualität von Pflegenden und Pflegeempfänger/inne/n als Zielkriterium beim Technikeinsatz anzuerkennen,

  • - eine die Spezifika der professionellen Pflege berücksichtigende Technikfolgenabschätzung zum integrativen Bestandteil der Technikentwicklung im Bereich der Pflege zu machen.

Das Memorandum richtet sich an Politik und Verbände, an Leitungskräfte und Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen sowie an Unternehmen im Umfeld von pflegebezogener Technologieentwicklung; außerdem an Forschungsförderer, Stiftungen und Wissenschaft.

Wir fordern die zuständigen Akteurinnen und Akteure auf, die genannten Anregungen bei der Entwicklung, Planung und Einführung neuer Technologien für eine gute Gestaltung von Pflegearbeit 4.0 zu berücksichtigen.

Von der Politik erwarten wir eine Gestaltung guter Rahmenbedingungen für die Pflegearbeit sowie die Berücksichtigung der oben genannten Ausrichtungen bei der Entwicklung von Ausschreibungen und Förderprogrammen.

Paul Fuchs-Frohnhofen, Andreas Blume, Kurt-Georg Ciesinger, Helga Gessenich, Manfred Hülken-Giesler, Michael Isfort, Marc Jungtäubl, Andrea Kocks, Martina Patz, Margit Weihrich

Die Langfassung des Memorandums finden Sie unter diesem Link: Langfassung Memorandum